Fünf Tage im Dezember, 78 Schüler und 25 Coaches – in der vierten ESBZ-Winterfilm-Akademie sind 10 Filme aus den Bereichen Werbung, Kurzfilm und Dokumentation entstanden. Lernziel: Medienkompetenz.

Ole ist sichtlich stolz auf seinen ersten richtigen Film. Gerade einmal fünfeinhalb Minuten lang ist die Dokumentation über die U-Bahnlinie U2 geworden, die einzige Vorführung gab es in der Mittelstufenversammlung. Aber am Ende der fünftägigen Winterfilmakademie ist der 12jährige begeistert: „Das Beste war, dass alles so geklappt hat, wie wir es uns vorgenommen hatten. Die Trainer haben uns immer Tipps gegeben, aber das meiste kam von uns.“ Dass er sich mit seinen Mitschülern Johann und Emil gut versteht, wusste Ole schon vorher – dass die drei 12, 13 und 14 Jahre alten Jungen auch als Filmteam zusammenarbeiten können, wissen sie jetzt. „Ich kann mir vorstellen, später beim Film zu arbeiten. Am liebsten als Kameramann.“

Lernen von den Profis – das ist das Ziel der Winterfilmakademie. Seit 2016 gibt es das Lernformat an der ESBZ. Jeweils die drei Klassen eines Teams bekommen eine Woche Zeit für ihre Projekte - und in diesem Jahr 25 ehrenamtliche Coaches, die ihr berufliches Wissen in Workshops an die Schüler weitergeben. Der Stummfilmpianist Stephan von Bothmer zum Beispiel führt ein in die „Geheimnisse der Filmmusik“. Die Fernseh-Journalistin Mo Asumang stellt im kleine Kreis ihren Dokumentarfilm „Die Arier“ vor. Den Dokumentarfilm-Workshop, an dem Ole, Johann und Emil teilnehmen, leiten die Filmemacherin Andrea Thilo und die Kamerafrau Katja Renner. „Die Coaches sind vor allem Eltern, die auf diese Weise ihre Elternstunden leisten können“, sagt Projektleiterin Karoline Beyer. „Daher kostet das Projekt bis auf die Verpflegung quasi nichts.“ Allerdings: Viel Vorbereitungszeit für die Lehrerin für Deutsch und Politik und ihre beiden Kolleginnen – damit die Winterfilmakademie im Dezember laufen kann, beginnt die Planung bereits nach den Sommerferien. „Die Akquise der Eltern und das Anzapfen aller Netzwerke für Kontakte braucht viel Zeit“, sagt Beyer.

Der pädagogische Lohn der Fleißarbeit: Ein siebenseitiger Wochenplan mit einem Dutzend Workshops und drei Filmvorführungen, mit dessen Hilfe sich die 78 Schüler*innen aus Team 3 selbständige zu ihren Kursen bewegen können, um die Eigenheiten des Mediums Film aus eigener Erfahrung kennenzulernen. Der Lehrplan ergibt sich fast von selbst: Kameraeinstellungen benennen und beschreiben. Filmfehler erkennen. Den Einsatz von Kostümen, Bluescreen, Filmtricks kennenlernen. Nicht zuletzt: Erkennen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, einen Film zu interpretieren, so Deutschlehrerin Beyer: „Die Schüler*innen nehmen auch mit, wie schwer es ist, einen guten Film zu machen, wie  viele Menschen daran beteiligt sind.“ Die Winterfilmakademie ist zugleich eine Vorbereitung auf das Berlinale-Projekt im Februar. „Es geht auch darum, zu wissen, die Filme wert zu schätzen. Weil es schwer ist, bei der Berlinale angenommen zu werden.“

Ole, Johann und Emil haben außerdem ihre U-Bahn-Linie U2 bei den Dreharbeiten ganz anders kennengelernt. Die Haltestelle Märkischen Museum liegt praktisch direkt vor dem Schuleingang - für die meisten ESBZ-Schüler*innen ist die U2 einfach nur der tägliche Weg zur Schule und zurück nach Hause. Um die Linie richtig ins Bild zu setzen, mussten sie die Bahnsteige, die Fahrgäste, die Bewegungen der Züge ganz genau betrachten. Und auf fremde Menschen zugehen. „Wir haben die Leute angesprochen und gefragt, was ihr komischstes Erlebnis in der U2  war. Viele Menschen wollten nicht aufgenommen werden, aus verschiedenen Gründen.“ Am Ende habe aber alles gut funktioniert, fünf Interviewte haben es in den Film geschafft, und ein bisschen zur Geschichte der U2 konnten die drei in ihrer Dokumentation auch unterbringen. Schade findet Ole nur, dass er im nächsten Jahr nicht mehr nochmal an der Winterfilmakademie teilnehmen kann. Dokumentation war toll, aber beim nächsten Mal würde er auch gerne an anderen Workshops teilnehmen, Filmtricks zum Beispiel und Animation. Damit alle Mittelstufen-Schüler*innen einmal an der Winterfilmakademie teilnehmen können, wechseln die Teams sich jedes Jahr ab.