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Starke Texte. jugend schreibt um. welt

"So zerbrechlich wie eine Pusteblume. Rettet die Welt vor dem Windstoß." (Schülerin)

Lesung im Französischen Dom am 21.06.2010

Programm:
14.00 Begrüßung: Gabriele Janecki, Projektleitung um.welt
Grußwort: Frau U. Heinen-Esser, Parlamentarische Staatssekretärin BMU
14.15 Dona nobis pacem – dreistimmig gesungen von Clara, Giulia, Jette und Lotte 14.25:Lesung I - Parlamentarische Staatssekretärin U. Heinen-Esser
14.35 Vorstellung Projekt um.welt: Elisabeth Marie Mars + Markus Hirschmann,
Projektleitung um.welt
14.40 Lesung II - Hannes Demming, Schauspieler
15.00 Talking about a revolution, SchülerInnen der Ev. Schule Berlin Zentrum singen,

15.10 Input Margret Rasfeld, Schulleiterin Ev. Schule Berlin Zentrum + Klimabotschafter
15.25 Lesung III - Hannes Demming, Schauspieler
15.35 Symbolische Aktion
16.00 Abschluss

 

Starke Texte von Cheryl-Ann, Jakob, Sasha, Ronja, Leonie, Tarik und Tara

2333, in Berlin, Cheryl-Ann, 16 Jahre

Wir schreiben den 3. September im Jahre 2333 nach Christus.

Ich bin eine der letzten Überlebenden in einem Viertel von Berlin. Nun berichte ich, was in den Jahren nach 2009 geschah.

Nachdem der Naturschutz für Wälder jeglicher Art aufgegeben wurde, wurden die meisten Bäume gefällt. Damit starben auch fast alle Tierarten aus. Wissenschaftler und Umweltschützer versuchten zwar den Wald zu retten, hatten mit ihren Aktionen aber keinen Erfolg. Und so ging das Sterben der Bäume und Tierarten ungebrochen weiter.

Im Jahr 2115 wurde von einigen Forschern ein Experiment gestartet: sie versuchten, widerspenstige Pflanzenarten zu entwickeln.

In 2135 gab es ein erstes Ergebnis. Es wurde eine Pflanzenart mit eigenem

Willen erschaffen. Zunächst schien es zu funktionieren, denn mit Hilfe dieser Pflanzen erholten sich die Wälder binnen 10 Jahren. Doch das Experiment verselbständigte sich.

Als Menschen weiterhin versuchten, das Abholzen fortzusetzen, begann

der Wald sich zu regen. Er schlug zurück.

Durch den eigenen Willen und die eigenen Gefühle, die er entwickelte, vermochte er zu spüren. Und er begann Hass zu empfinden. Hass

gegenüber den Menschen, die es wagten, die Restbestände seiner Art auslöschen zu wollen. Er zerstörte alles, was sich ihm in den Weg stellte. Er begann, die Existenz der Menschen anzugreifen.

Das Wasser und die Pflanzen, die sie zum Leben brauchten, schloss er ein

und gab selten etwas her. So verdursteten oder verhungerten viele. Der Wald wollte, dass die Humanoide – die in diesen Jahren dümmer waren als Pflanzen und in der Nahrungskette an unterster Stelle standen – so leiden, wie er es vor Jahren getan hatte.

Die Gewalt nahm überhand. Der für sich selbst denkende Wald überfiel und tötete Menschen, die ihm zu nahe kamen. Einige wehrten sich, andere ergaben sich in ihrem Schicksal und lernten allmählich, in Frieden mit dem Wald zu leben.

Die Wissenschaftler versuchten dieses vor Jahren von ihnen in die Wege geleitete Experiment zu stoppen - doch vergebens. Die Pflanzen wuchsen weiter und breiteten sich aus. Im Jahre 2300 ergaben sich die meisten Menschen ihrem Schicksal. Denn selbst die Jahreszeiten, auf die sie ihre Hoffnungen setzten, dass der Herbst und der Winter die Pflanzen schwächen würden, zeigten keine Wirkung. Der Wald blieb immergrün, da die Menschen ihn nicht mehr nutzten und genügend Nährstoffe im Boden vorhanden waren. Neue Tierarten bildeten sich, ebenso wie immer wieder neue Pflanzenarten und -spezies. Die Welt schien sich zu erholen. Das Ozonloch schrumpfte und Naturkatastrophen gab es kaum noch. Und so hat es den Anschein, als wenn sich durch das fast vollständige Verschwinden der Menschheit der Planet wohler fühlt.

Nun, im Jahre 2333, schreibe ich dies. Der Wald gewinnt den Kampf um die Herrschaft. Die Zahl der Menschen in und um Berlin ist nunmehr auf einen Restbestand von weniger als 3000 geschrumpft.

Wird sich dieser Rest mit dem Wald und der Natur einigen können?

Werden wir verstehen, dass wir mit allem verbunden sind?

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt, die es möglicherweise sonst nicht geben wird.

Berlin, der 3. September 2333.

 

Neue Klimaflüchtlinge, Jakob und Sasha, 14 Jahre

Von außen und oben sieht die Welt so stark und unzerbrechlich aus, aber wir alle wissen, dass sie ganz das Gegenteil ist. Ich schaue nun schon seit Stunden auf dieses zarte Blau.

Am Nordpol, dem kältesten Ort der Welt, ist die Natur noch unberührt.

Große Abweichungen konnten wir noch nicht feststellen, aber das könnte sich bald ändern. Während meines Aufenthaltes über den Wolken kann ich beobachten, dass quasi gegenüber, am Südpol, etwas Merkwürdiges geschieht: Eine riesige Kolonie von Pinguinen sammelt sich am nördlichsten Gletscher. Dem einzigen, der dort noch existiert. Während meiner Südpolreise vor 27 Jahren habe ich gesehen, wie viel Lebensraum die Pinguine noch hatten. Doch jetzt scheint es, als wenn es nur noch ein paar Flecken für sie gibt. Alle Pinguine quetschen sich auf dem letzten noch verbleibenden Gletscher zusammen. Jetzt sehe ich, dass sie in kleinen Gruppen ins eiskalte Wasser springen. Sie schwimmen alle in eine Richtung, nach Norden. Merkwürdig, dass sie sich nicht wie sonst zerstreuen, sondern im großen Strom zusammen bleiben. Ich beobachte, dass bereits in den ersten Stunden viele Tiere sterben.

Inzwischen habe ich eine Erdumrundung gemacht und sehe sie wieder. Die Pinguine bewegen sich weiter in Richtung Nordpol. Es scheint, als ob sie nicht zurückkehren werden. Was treibt sie an?

Es wäre ein Wunder, wenn es ihnen gelingen würde, zum Nordpol zu schwimmen.

Meine Augen sind müde. Seit sieben Tagen verfolge ich den Zug der Pinguine durch den Atlantischen Ozean in Richtung Nordpol.

Wenn meine Vermutung stimmt, dann wären sie nach den  Menschen die nächsten Klimaflüchtlinge.

Annuk, Ronja und Leonie, 16 Jahre

Ich heiße Annuk und lebe im Norden von Grönland. Wir, meine Frau und meine zwei Kinder leben in einer kleinen Siedlung. Ich beobachte seit Jahren die Veränderungen, die in unserem Lebensraum stattfinden. Ich sehe, wie die riesigen Eisberge von Jahr zu Jahr abschmelzen. Eisflächen, auf denen ich vor 10 Jahren noch Robben gejagt habe, sind verschwunden, größere Eisflächen als mein Dorf. Viele Tiere verlieren ihre Lebensräume. Ich sehe tote Eisbären draußen im Meer treiben, sie konnten nicht mehr schwimmen vor Erschöpfung. Regelmäßig finden unsere Jäger verirrte oder schon erfrorene Jungtiere von den Polarfüchsen, die wegen des Klimawandels ihre Eltern verloren haben. Und auch die Tage werden immer wärmer.

Viele Menschen erkennen die Gefahr dieser Veränderungen nicht. Dabei geht eine ganze Welt zugrunde. Auch in mir.

Ich versuche, wie viele andere auch, zu helfen, unsere Welt zu retten. Ich mache das mit Bildern.

Viele Tage bin ich unterwegs und warte auf die Momente, die die Menschen ansprechen und ihnen klar machen, was passiert. Meine Fotos gebe ich weiter, in vielen Ländern wurden sie bereits veröffentlicht. Ich bin stolz und hoffe, dass die Kraft, die von mir und meinen Bildern ausgeht, bei den Menschen ankommt, angenommen wird und etwas verändern kann.

Und doch ist vermutlich das, was geschieht, zu wenig. Ich möchte alle auffordern, etwas für unsere Erde zu tun, denn jeder kann helfen! Und es kann nicht genug Ideen zur Rettung geben.

Starker Abgang, Tarik, 15 Jahre

Nun, wir sind hier zusammen gekommen, weil die Menschheit in ungefähr 24 Stunden ihr Ende findet. Inzwischen sind Vulkane ausgebrochen, es ist so viel CO2 in der Atmosphäre, dass der Meeresspiegel um 15 Meter angestiegen ist und die Luft sich durchschnittlich um 7°C erwärmt hat. Die Sonne erreicht uns nicht mehr. Sämtliche Korallen, Fische und andere Meerestiere sind gestorben. Die Meere sind tot. Wir haben nur noch wenig Trinkwasser. Die Nahrungsmittelproduktion ist praktisch eingestellt.

Die Erde hat uns schon vor langer Zeit gezeigt, dass es ihr nicht gut geht, doch wir haben die Warnungen nicht ernst genommen. Wir haben einfach weiter gemacht wie zuvor. Jetzt ist es so weit und es ist zu spät. Wir sollten uns ordnungsgemäß von dieser Erde verabschieden. Das Leben war nicht unnütz. Ganz im Gegenteil, wir haben immer alles genossen, was wir von der Erde bekommen haben. Und das war viel. Kaum zu glauben, dass damit Schluss sein soll. Kaum zu glauben, dass es dieses gewohnte Leben nicht mehr geben wird.

Und was werde ich vermissen?

Auf jeden Fall das Blau des Himmels und der Meere, das Schwarz der Nacht und vor allem das Licht der Sonne. Ich hoffe, dass der Glanz der Erde nicht erlischt. Und ich hoffe auch, dass uns die Erde eines Tages wieder Heimat sein wird.

Lasst uns um 23.00 Uhr hier sein, an diesem Platz, um uns von der Erde zu verabschieden.

Überleben, Tara, 15 Jahre

7. Juni 2020

Wir fahren jetzt schon eine Woche über dieses Meer und haben noch niemanden getroffen. Es scheint, als wären wir seit der großen Katastrophe die einzigen Überlebenden. Wir haben gehofft, hier auf weitere Menschen zu stoßen, doch es sieht so aus, als wären wir die einzigen vom Schicksal Begünstigten.

8. Juni

Wir haben heute eine Versammlung einberufen. Unser Essen reicht noch eine Woche. Wenn wir bis dahin niemanden gefunden haben, fahren wir zurück.

9. Juni

Vielleicht sollte ich in meinen Aufzeichnungen kurz erklären, warum ich mich entschlossen habe, Tagebuch zu führen. Ich bin nicht der große Tagebuchschreiber, aber aufgrund der Tatsache, dass wir die letzten überlebenden Menschen der großen Katastrophe sein könnten, wurde uns aufgetragen, Tagebuch zu führen. Wir sind die Besatzung des Schiffes ANN-LIVE. Wir sind zehn Gäste und fünfzehn von der Crew. Zehn Männer und Frauen sind an Land zurück geblieben, um dieses zu erforschen. Wir sind mit unserem Boot auf der Suche nach weiteren Überlebenden.

12. Juni

Heute endlich ein Erfolg! Mitten im Meer in der Nähe des früheren Spanien stießen wir auf Pablo. Pablo ist Spanier und hat sich vor  der Katastrophe in ein Boot gesetzt. Warum er überlebt hat, weiß er nicht. Er hat „nur geschlafen“, meint er. Wir alle sind der Meinung, dass er unter Schock stand. Wie sonst konnte man so etwas verschlafen?

12. Juni, mitten in der Nacht

Ich kann nicht schlafen. Ich habe davon geträumt, wie ich früher durch das Meer gesegelt bin. Wir fuhren durchs Mittelmeer damals. Wir sahen oft Menschen, Flüchtlinge, bei denen klar war, dass sie ohne Hilfe niemals das Land erreichen würden. Wir haben nie geholfen. Es waren sehr viele. Vielleicht hätten wir damals etwas tun können. Vielleicht mit etwas Vernunft… Nein, so darf ich nicht nachdenken. So mache ich mich verrückt.

13. Juni

Pablo weiß nicht, was passiert ist. Wir mussten es ihm erklären.

14. Juni

Wir haben heute einen Fisch gefangen, den ersten seit der  Katastrophe. Wir haben ihn natürlich sofort wieder zurückgeworfen. Es gibt also noch Leben.

15. Juni

Wir sind auf dem Rückweg. Mitten im Sonnenuntergang habe ich das Schönste gesehen, was mir auf dieser Fahrt begegnet ist! Ich habe einen Wal gesehen.

16. Juni

Das Festland ist nah. Wir haben Pablo gefunden und ich bin gespannt, was die anderen gesehen haben. Morgen werden wir auf dem Festland eintreffen. Zwar ist viel zerstört, aber es gibt noch Hoffnung für uns.

17. Juni

Wir werden unsere ganze Kraft darin investieren, die Welt an dieser Stelle, wo wir jetzt sind und so gut es geht, wieder aufzubauen. Ich wünsche uns Glück. Mit Sicherheit wird es niemals mehr so, wie es war. Aber wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Und jetzt brauchen wir unsere Erinnerungen, um die Zukunft zu gestalten.