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Schule ohne Verlierer - Die Kirche 13.01.08

In eine der typischen DDR-Neubauschulen zog im vergangenen August die evangelische Schule mit einer 7. Klasse ein. Die Eltern und die Schulleitungen der drei evangelischen Grundschulen in Mitte, Lichtenberg und Pankow wollten für ihre Kinder auch eine weiterführende Schule mit evangelischem und einem ähnlichen pädagogischen Profil und machten sich an die Gründung.

Herausgekommen ist eine ungewöhnliche Schule, die mit ihren Kindern viel vor hat. In der Gemeinschaftsschule lernen alle Kinder gemeinsam, eine Einteilung in Gymnasium, Realschule und Hauptschule gibt es nicht. Auch nicht durch die Hintertür, indem die Kinder je nach Leistung in Kurse eingeteilt werden, wie das in der Gesamtschule geschieht. „Diese Einstufungen entsprechen nicht den Möglichkeiten der Kinder“, sagt Margret Rasfeld, Leiterin der Schule und eine der beiden momentan fest angestellten Lehrer. In Deutschland, das hat die Pisa-Studie gezeigt, ist die Schulbildung immer noch abhängig von der Herkunft: Kinder aus bildungsfernen Familien geraten auf die Hauptschule, Akademikerkinder machen Abitur.  Für Margret Rasfeld ist das ein Skandal, weil vielen Kindern dadurch die Chance auf Entwicklung und Selbstbewusstsein genommen wird. Schon früh, so ist ihre Erfahrung, beziehen Kinder ihr Selbstwertgefühl aus der Schule, die sie besuchen. Ein Glück für die, die auf das Gymnasium gehen. Aber Hauptschüler fühlen sich als Verlierer und werden es ja auch oft. In der evangelischen Schule, die sich als Reformschule versteht, soll das nicht passieren. „Ich habe schon viele Jugendliche mit Hauptschulempfehlung zum Abitur gebracht“, sagt Margret Rasfeld entschieden.

Die Lehrerin hat bereits eine Schule in Essen gegründet und geleitet und war als Leiterin für die Reformschule der Sängerin Nena in Hamburg im Gespräch.  Nun gehören die Eltern, die eine Schule gründen, natürlich zu den eher gebildeten, motivierten und fördernden. Die 25 Kinder, die sich in der ersten 7. Klasse der evangelischen Schule zusammenfinden, kommen aus einem recht homogenen Milieu. Doch mit dem nächsten Schuljahr soll das anders werden. Denn je unterschiedlicher die Menschen sind, desto besser kann man Toleranz und Zusammenleben lernen, findet Margret Rasfeld. Und das sei unverzichtbar im 21. Jahrhundert.

Überhaupt will man an der Schule die Probleme der Welt angehen, statt sie zu verdrängen. Im Flur hängen Texte zum Thema Gewalt. Auf der Info-Veranstaltung berichten Schüler, warum es so viel besser ist, Umwelt-Papier zu benutzen, statt das blütenweiße.  Das Interesse an der Schule ist groß. Auf den drei bisherigen Informationsveranstaltungen waren fast 400 Eltern und Kinder. Die drei geplanten neuen 7. Klassen sind schon so gut wie voll. Auch eine weitere 8. Klasse soll hinzukommen. Der jahrgangsgemischte Unterricht, der zum pädagogischen Konzept gehört, ist dann möglich. Individuell und gemeinsam sollen die Schüler lernen, jeder nach seinem Tempo und Vermögen, und trotzdem in der Gruppe. Noten werden erst ab der 9. Klasse vergeben.  Die, die gut mitkommen, müssen sich um die kümmern, denen der Stoff schwer fällt.

Handeln lernen, Verantwortung übernehmen, für Margret Rasfeld gehört das ebenso zum Lehrplan wie Mathe und Französisch. In der Schule, aber auch in Praktika in Kindergärten, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen wird soziales Verhalten geübt. Margret Rasfeld hat noch viele Pläne. Eine Aula braucht sie für Versammlungen der Schüler, ein Eine-Welt-Café möchte sie eröffnen, vielleicht gemeinsam mit der Kirchengemeinde St. Marien/St. Petri.

Übrigens werden noch Lehrer gesucht, die Lust und Energie haben, die Schule mitzuentwickeln.  Ende der Anmeldefrist für das Schuljahr 2008/2009 ist der 6. Februar. Evangelische Schule Berlin Zentrum, Wallstraße 32, 10179 Berlin-Mitte Telefon (030) 24630378,  im Internet: www.wesb.de