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Abschlussrede Abiturjahrgang 2018
von Paulina

Liebe Lehrer, liebe Eltern, liebe Verwandte, liebe Freunde,

und vor allem liebe Mitschüler und Mitschülerinnen, (wobei sich die Frage stellt, ob ich euch jetzt überhaupt noch so nennen kann).

Robert hat vor kurzem folgenden Satz zu mir gesagt: „Ich hoffe einfach, dass ich die Welt ein bisschen besser machen kann.“

Da saßen wir gerade sterni-trinkend mit vielen von euch an der Brücke. Wie immer.

Ich habe ihn ausgelacht. Und mit leicht gespielter Abgeklärtheit gesagt, dass es unsere großen Egos und unsere Jugend sind, die uns solche Weltverbesserungsduselei erlauben. Ich habe gesagt, dass wir in zehn Jahren sowieso an unseren Schreibtischen manisch vor uns hintippen, dem ersten Bandscheibenvorfall entgegen. Ja, ich wurde durchaus schon als Pessimistin bezeichnet, dabei sehe ich mich selbst natürlich als Realistin.

Dabei hat Robert ja so recht, Weltverbesserung ist dringend nötig und nicht nur ein bisschen: Um es mit den Worten unserer geliebten ESBZ zu sagen, die globalen „Herausforderungen“ sind groß: Die zunehmende Singularisierung der Gesellschaft verändert die politische Sphäre, Staatsoberhaupte verfolgen ihre eigenen Agendas, die Gletscher sind bald nicht mehr vorhanden, der Westen wie wir ihn kennen wird untergehen, wenn wir uns nicht bald etwas Neues und Gemeinsames einfallen lassen, Trump grabt pussys und Merkels Mundwinkel werden immer tiefer.

Was können WIR da schon tun?

Mir ging Roberts Satz trotzdem nicht mehr aus dem Kopf. Und dann habe ich mich daran erinnert, mit wem ich eigentlich die letzten sieben Jahre verbracht habe. Das wart ihr. Das war hier. Meine Mutter nennt es auch gerne das „Esbz-Bullerbü“. Jedenfalls fiel mir da auf, dass ich definitiv keine Pessimistin bin, wenn es um EUCH geht. Ich habe sieben Jahre lang jeden Tag gesehen, was ihr könnt.

Ich traue euch sehr viel zu.

Und mir ist dann aufgefallen, dass mit diesem Grundgefühl die Herausforderungen gar nicht mehr so erschreckend klingen. Ich weiß nicht, was morgen passiert, aber ich weiß, dass ihr da seid. Und das heißt, dass vieles möglich ist.

Also, solltet ihr mal nicht an euch glauben, ich tue es.

Ihr seid nicht mehr die Menschen, wir sind nicht mehr die Menschen, die hier vor sieben Jahren eingeschult wurden. Das findet jeder gut und jeder normal. Aber irgendwann ist das anders und plötzlich ist es nur gut, wenn sich nichts mehr ändert. Man soll die bleiben, die man ist. Und es soll so bleiben, wie es ist. Das ist falsch.

Wir sehen es in der Politik, Stillstand ist unser Verhängnis, „Erneuerung“ und „Entwicklung“ sind das Ding, das es jetzt braucht. Das haben wir ganz gut hinbekommen, finde ich. Aber das darf nicht mit 19 oder 29 schon wieder aufhören, das ist für mich das Grundmotiv unserer Leben.

Wir haben das Abitur zusammen gemacht, aber das ist für mich nicht das Wichtige. Wahrscheinlich gibt es sogar nichts Unwichtigeres. Wichtig ist die Zeit, die wir gemeinsam verbracht haben. Und in der wir uns miteinander zu denen entwickelt haben, die wir jetzt sind. In unserer Schule, gegen unsere Schule, dank unserer Schule. Diese Schule ist speziell, mit allen Vor- und Nachteilen.

Diese Schule hat uns verändert, wir haben diese Schule verändert - und ich kann nur hoffen, dass das für beide Seiten etwas Positives bedeutet.

Greta hat es neulich ganz treffend ausgedrückt: „Ich feier unsere Schule so“. Ich auch, Greta.

Die Zeit ist jetzt vorbei. Die Sicherheit dieser Zeit und dieser Schule auch. Was kommt jetzt? Ich weiß es nicht, noch nicht. Aber es gibt drei Dinge, die ich hier auf jeden Fall gelernt habe:

1. Es geht nicht darum, später einen BMW zu fahren (Obwohl der sich natürlich nicht schlecht fährt, das gebe ich zu)

2. Es geht darum, das ganze Leben dazuzulernen.

3. Es geht darum, zu sein. Es geht darum, Teil von etwas zu sein. Das habe ich von und mit euch gelernt.

Und wenn mich mal wieder jemand fragt, was ich mal werden will, sage ich also, mein Ziel ist es nicht, etwas zu werden, sondern Teil von etwas zu sein, was mir wichtig ist und wo ich den anderen wichtig bin.

Und es gibt ganz sicher keine Menschen (und keine Schule) von denen und von der ich die letzten sieben Jahre lieber ein Teil gewesen wäre.

Very cheesy, i know. But also very true.

Robert, die Zeit ist gekommen, ich möchte und muss mich bei dir entschuldigen. Wenn wir uns nicht jetzt Weltverbesserungsziele setzen, wann dann? Ich glaube nur, wir müssen es schaffen, realistische Utopien zu formulieren, über die wir ihn zehn Jahren nicht lächeln, sondern die wir zusammen vorangebracht haben. 

Dazu müssen wir verstehen, was hier mit uns passiert ist: Wir sind eine Gruppe von Menschen geworden, die durch ihre immer tiefer werdenden Beziehungen als Ganzes gewachsen ist - und das hat auch jede und jeden Einzelnen größer gemacht. So empfinde ich das zumindest. Und das hat meine Welt, das hat unsere Welt besser gemacht.

 Das ist nicht Bullerbü-Romantik. Das ist die Basis einer guten Zukunft, die wir von hier mitnehmen.

 Liebe alle, die ihr heute mit uns feiert, und die ihr diesen Weg mit uns gegangen seid als Lehrer, als Eltern, als Großeltern, als Geschwister, als Verwandte, als Freunde.Vielen Dank für alles.

Auch wenn wir heute zusammengekommen sind, um den Anfang unserer Zukunft zu feiern, so geht hier und jetzt auch eine Ära zu ende. In aller Bescheidenheit muss ich sagen: Unsere Ära an der ESBZ.

Dies ist ein Abend des Abschieds. Nach heute wird es nie wieder so sein wie zuvor. Wir sind die Zukunft. Aber wir sind auch die Gegenwart. Wir sind jetzt. Wir sind zusammen. Noch ein letztes Mal.

Machen wir eine große Nacht daraus.

Herzlichen Dank.