Digitaler Leitfaden der ESBZ

Medienkompetenz und Technikverständnis

protestantisch

Ich handele auch in der digitalen Welt verantwortungsvoll, respektvoll, hilfsbereit und menschlich und folge nicht blind dem Mainstream. Ich wehre mich dagegen ausspioniert, ausgenutzt, fremdbestimmt oder manipuliert zu werden.

„Verantwortung und Freiheit sind einander korrespondierende Begriffe. Verantwortung setzt sachlich – nicht zeitlich – Freiheit voraus, wie Freiheit nur in der Verantwortung bestehen kann.“ (D. Bonhoeffer, DBW Bd. 6, S. 283)

mutig

Ich probiere Neues aus, experimentiere, erlebe, hinterfrage und kritisiere, auch wenn dies unbequem ist. Ich glaube nicht alles, was ich im Internet lese, höre oder sehe. Ich überprüfe die Informationen durch unabhängige und vielfältige Quellen nach sachlichen und nachvollziehbaren Kriterien. Ich bilde mir meine eigene Meinung.

"Sich mit der Qualität des Querdenkens quälen.“ (Otto Herz, A-B-C der guten Schule)

weltoffen

Ich nutze und verstehe die einfachen Möglichkeiten der digitalen Netze, um mein Wissen, meine Erkenntnis und meine Fähigkeiten zu teilen sowie mich über Ideen und Meinungen mit anderen Menschen weltweit auszutauschen. Natürlich schütze ich dabei meine persönlichen und privaten Daten.

Motivation

Unsere Welt entwickelt sich rasant: Digitale Plattformen, wie WhatsApp, Instagram und Facebook sind längst eine Normalität für breite Bevölkerungsschichten des modernen Alltags geworden. Kinder haben unzählige Apps auf den Smartphones, sind ihren Eltern digital immer eine Nasenlänge voraus und im digitalen Netz aktiv, um zu lernen, selbst Wissen zu vermitteln, Kultur zu verbreiten oder zu nutzen, zu kommunizieren, Gemeinschaften zu bilden und informiert zu sein oder einfach um zu spielen und zu erleben.

Datennetze verbinden uns fast überall, drahtlos und preiswert. Smartphones sind Hochleistungscomputer für die Hosentasche, sie verbinden uns mit der ganzen Welt. Kostenlose Apps machen das Leben leichter – und ganz nebenbei werden große Mengen von individuellen Daten über uns gesammelt. Inzwischen tolerieren wir in der virtuellen Welt ganz freiwillig einen Verlust unserer Privatsphäre in einem Ausmaß, das wir im „echten Leben“ nie akzeptieren würden. Wir erleben wie kriminelle, populistische und andere Gruppen jenseits des Rechtsstaates die „neuen Medien“ gezielt wie die Flöte des Rattenfängers einsetzen und Informationen manipulieren. Längst werden ganze Berufszweige von Automaten und Robotern ersetzt, künstliche Intelligenz trifft in vielen Bereichen bereits die Entscheidungen – eine unaufhaltsame Entwicklung und das Tempo nimmt zu. Wir leben in einer Welt in der künstliche Intelligenz und autonome Computersysteme bereits eine Selbstverständlichkeit sind (Sprachsteuerung wie Siri oder Alexa, Elektronische Fahrassistenten, Google Suche). Algorithmen wissen mehr über uns als wir selbst und können unser Leben weitestgehend intransparent kontrollieren. Wir vertrauen unsere Entscheidungen mehr und mehr diesen digitalen Verhaltensempfehlungen an, werden von Ratings geleitet.

Damit diese Realität nicht zu einem Albtraum wird, ist es wichtig, dass wir jetzt den sicheren Umgang mit diesen unerschöpflichen Möglichkeiten lernen, um eine lebenswerte Zukunft mitzugestalten. Wir nutzen die Methoden der Wissenschaft und richten Bildung darauf aus, uns zu befähigen die stetigen Veränderungen unter anderem daraufhin zu überprüfen, ob die neuen Möglichkeiten im Sinne der Global Goals (http://www.globalgoals.org/de/) die Menschheit näher zusammen bringen oder Konflikte verursachen.

Eine neue digitale und erheblich aufgeschlossenere Wissenskultur ermöglicht ganz neue Formen des inklusiven und individualisierten Lernens. Eine solide und sehr breite Bildung wird noch viel mehr die wichtigste Voraussetzung für das Leben in der nahen Zukunft. Unsere Schulgemeinschaft wird sich der neuen Verantwortung bewusst und vermittelt auch hier die notwendigen Kompetenzen im Umgang mit der digitalen Welt. Wir unterstützen uns gegenseitig dabei, die Möglichkeiten, Potenziale und Risiken zu erkennen und die Mechanismen zu verstehen. Wobei wir uns der Neugier und der Offenheit aktueller und kommender Entwicklungen verpflichten, ohne unsere Werte aus den Augen zu verlieren. Dabei suchen wir immer nach Möglichkeiten, uns in der Schulgemeinschaft fit zu machen und Veränderung zu gestalten. Nur so können wir uns mündig und kritisch in der digitalen Welt bewegen und Verantwortung für uns und andere übernehmen. Und nur so ist eine demokratische Bildung möglich, die individuelle Entscheidungsfreiheit über das eigene Lernen und Leben ermöglicht. Kinder und Erwachsene übernehmen gemeinsam die Verantwortung für die digitale Zukunft und es wird mehr und mehr die Aufgabe der Kinder und Jugendlichen, die Erwachsenen zu schulen und zu sensibilisieren. Denn viele Erwachsene haben den Anschluss ans digitale Zeitalter längst verpasst.

"Schulische Medienbildung versteht sich über alle Schulstufen hinweg als ein dauerhafter, pädagogisch strukturierter und begleiteter Prozess des kreativen Umgangs sowie der konstruktiven und kritischen Auseinandersetzung mit der von verschiedenen Interessen geprägten Medienwelt, ihren sich stetig verändernden Medientechnologien und -inhalten in allen Medienarten sowie der Reflexion des eigenen Mediengebrauchs." (Rahmenlehrplan-Berlin Brandenburg „Teil B Fachübergreifende Kompetenzentwicklung, S. 13)

Kreativ in der Gestaltung digitaler Kunst, Kultur und Bildung

Die digitale Technik ist Teil des täglichen Lebens. Digitale Videos, Computerspiele, elektronische Musik und digital bearbeitete Bilder gehören schon lange zu unseren Kulturtechniken. Das beeinflusst auch und in besonderem Maß das Wahrnehmen und Erleben der Welt. Die Möglichkeiten, die sich durch die digitale Technik ergeben, haben einen starken Einfluss auf unsere kreativen Prozesse und stellen eine wichtige Kraft in unserem schöpferischen Denken dar. Wir erproben und reflektieren unser Handeln im Spiel und lernen mit und von Menschen. Digitale Medien schaffen Räume, um sich zu mischen, sich gegenseitig zu beeinflussen, neue Herangehensweisen zu erfinden und steigern das kreative Niveau. Es entstehen neue Impulse und Perspektiven, die nach und nach auch Forschung in Wissenschaft und Methodik in Bildung beeinflussen.

Kreativität wird dabei nicht nur in Produkten sichtbar, sondern in den Erfahrungsräumen schöpferischer Prozesse. Hier kennen und nutzen wir den Wert  unterschiedlicher Erfahrungsqualitäten und das Wechselspiel digitaler und analoger Arbeit, welche durch unterschiedliche Sinne (haptisch, visuell etc.) verschieden stark wahrgenommen werden. In unserem schöpferischen Handeln suchen wir nach passenden Konzepten des Urheberrechts von kreativen Produkten.

Konsequent in Bezug auf informationelle Selbstbestimmung

Der bewusste Umgang mit der digitalen Welt wird insbesondere für die heranwachsende Generation eine große Bedeutung haben. Sie legen heute schon die unveränderlichen Grundlagen für ihr zukünftiges digitales Leben. Alles was seinen Weg in das Internet findet bleibt dort abrufbar. Jede unbedachte Äußerung, jedes peinliche Foto, jeder Kommentar von Dritten "brennt" sich in die Datenspeicher ein, wie in Stein gemeißelt. Das „Netz“ vergisst nicht. Gigantische Internetunternehmen sammeln Daten, analysieren das Verhalten der Menschen und optimieren kontinuierlich und hocheffizient ihre Geschäftsmodelle. Längst ist klar: All diese Daten sind wertvoll. Wer Zugriff auf die meisten Informationen hat, gewinnt.
Wir alle ziehen inzwischen eine Datenschleimspur hinter uns her, die unser ganzes Leben lang sichtbar sein und umfassende Rückschlüsse auf Charakter, Gesinnung, Gesundheit, Leistungsfähigkeit und -bereitschaft, Kreativität und vieles mehr ermöglichen wird. Wir müssen uns klar darüber werden, dass technikgläubige Entscheider all das glauben werden, was Algorithmen aus diesen Daten interpretieren. Kein Mensch wird diese Entscheidungen der Maschinen mehr im Detail verstehen – sie werden aber unser Leben tiefgreifend beeinflussen. Es gilt also, sich umsichtig zu verhalten, datensparsam zu sein und diese Zusammenhänge zu kennen und die Konsequenzen zu verstehen. Die Bewahrung der Privatsphäre ist grundlegend für die Erhaltung demokratischer Systeme.

Kritisch in der Bewertung von Information

Das Internet stellt eine gigantische Sammlung an Daten und Informationen zur Verfügung - in sehr unterschiedlicher Qualität. Quellen sind selten klar benannt, Lügen werden oft als Tatsachen dargestellt. Pseudowissenschaftlicher Nonsens wird gerne als Stand der Forschung präsentiert, weshalb das Erlernen und konsequente Anwenden von Methoden zum Überprüfen von Informationen dringend erforderlich ist. Wenn wir wissen, wie Wissen produziert, übertragen, validiert und verbreitet wird, entwickeln wir uns von unserer natürlichen Forschungslust hin zu Expert*innen des kreativen und kritischen Denkens. Achtsamkeit, Kritikfähigkeit, gesunder Menschenverstand und das Wissen sowohl um die Möglichkeiten als auch die Schwächen digitaler Medien helfen dabei, nicht auf populistische Rhetorik hereinzufallen bzw. Propaganda von Information und Sinn von Unsinn zu unterscheiden.

Kompetent in Nutzung von Medien und Werkzeugen

Computer und Software bedienen, konfigurieren und anpassen bzw. erweitern zu können ist schon jetzt in vielen Bereichen enorm wichtig. Um die vielen Mechanismen und digitalen Werkzeuge ergebnisorientiert nutzen zu können, ist Erfahrung in der Anwendung und eine umfangreiche Kenntnis der Abläufe erforderlich.  Die zielsichere Auswahl der Werkzeuge in eigenen Projekten setzt Erfahrung und Kenntnis der Möglichkeiten voraus. Hierbei ist es wichtig nicht zu Werbeopfern der grossen Konzerne zu werden, sondern auf nachvollziehbare und überprüfbare Kriterien zu achten. Bestmögliche Datensicherheit, optimale Anpassbarkeit und Erweiterbarkeit sowie der Schutz der Privatsphäre ist ausschließlich mit quell-offenen Systemen (open source) zu erreichen. Schüler*innen sollen nicht nur Anwender der Maschinen werden. Sie sollen sie kontrollieren, verstehen und beherrschen statt von den Maschinen bevormundet und von Algorithmen kontrolliert zu werden. Sie sollen die digitale Welt gestalten und kreieren statt nur zu reagieren. Schule ermutigt zur Nutzung von nicht-kommerziellen Plattformen.

Eine qualifizierte Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des digitalen Zeitalters wird ein wichtiges Kriterium die persönliche Zukunft aktiv und positiv zu gestalten. Viele Berufe, die heute noch attraktiv scheinen, werden schon bald durch Computer bzw. Roboter ersetzt, neue Aufgabenfelder entstehen. Nur wer seine Möglichkeiten kennt und ständig erweitert, wird sich selbst verwirklichen können.

Exzellent im Verständnis digitaler Technik

Ein fundiertes Wissen über die Funktionsweise von Mikroelektronik und Informationsverarbeitung schafft eine solide Basis zum Verständnis der Zusammenhänge.
Für das schnellere Erlernen neuer Technologien sind Grundlagenkenntnisse unbedingt erforderlich. Praktische Erfahrungen mit Transistoren, Mikroprozessoren, Funktechniken, Programmiersprachen und Betriebssystemen sind die Fingerübungen der neuen Medien, die Etüden der digitalen Kompetenz. Mit dem Erlernen von Programmiersprachen und dem Verstehen von Algorithmen entwickelt sich überhaupt erst das notwendige Verständnis für digitale Technik. Digitalelektronik in eigenen Projekten anzuwenden, eröffnet einen neuen Erfahrungshorizont und mit einem Lötkolben selbst Hand anzulegen reduziert die Ehrfurcht vor Elektronik. Zu wissen, dass Technik  aus Rohstoffen besteht, woher diese stammen und wie sie gewonnen werden spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Kenntnis der meist menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen die Produkte hergestellt werden. Nur wer die Hintergründe versteht, kann verantwortungsvoll mit moderner Technik umgehen.

Vertraut mit der Entwicklung digitaler Identität

Digitale Medien sind mittlerweile neben Familie, Freund*innen und dem Arbeitsplatz zu einem bedeutenden Sozialisierungsfaktor geworden. Das Internet schafft neue Möglichkeiten sozialer Verbindungen, die aktive Beziehungen und Beziehungsformen ermöglichen und identitätsbildende Prozesse in Gang setzen. Auf Netzwerkplattformen werden soziale Strukturen gebildet, in denen sich soziale Minderheiten und Gleichgesinnte aller Altersgruppen austauschen und Anerkennung erfahren. Mit der Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit entstehen vielfältige Identitäten innerhalb sozialer Netzwerke.

Schule erkennt den Wert dieser digitalen Freiräume an und vermittelt den Schüler*nnen den sinnvollen Umgang mit Pseudonymen und Anonymität und zeigt wie Identität und Privatsphäre, zum Beispiel durch Verschlüsslungen, geschützt werden können. Mit dem Bewusstsein, welchen Einfluss diese sozialen Netzwerke auf die Persönlichkeitsentwicklung haben, ist eine überlegte Auswahl von Netzen und Communities möglich. Die Anonymität im Netz soll nicht dafür ausgenutzt werden, um anderen Schaden zuzufügen, sondern um Zivilcourage zu zeigen und eine klare Haltung im Sinne eines menschenwürdigen Umgangs miteinander zu wahren.